mBridge: Chinas grenzüberschreitende CBDC-Plattform steht vor der Kommerzialisierung

Das von der People’s Bank of China dominierte Wholesale-CBDC-Projekt mBridge tritt offenbar in eine neue Phase ein. Laut einem Bericht der Financial Times ist die Plattform nun reif für die Kommerzialisierung – und prüft sogar eine offizielle Inkorporierung in Hongkong.
Was ist mBridge überhaupt?
mBridge steht für „Multiple CBDC Bridge“ und ist kein Krypto-Projekt im klassischen Sinn, sondern eine von Zentralbanken betriebene Infrastruktur für grenzüberschreitende Zahlungen mit Wholesale-CBDCs (wCBDC) – also digitalem Zentralbankgeld, das ausschliesslich zwischen Banken und Institutionen zirkuliert, nicht im Retail-Bereich. Initiiert wurde das Projekt von der Bank of Thailand und der Hong Kong Monetary Authority (HKMA), die Bank for International Settlements (BIS) fungierte zunächst als Koordinator. Mit der Zeit stiessen die People’s Bank of China, die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate und später auch die saudische Zentralbank hinzu.
Seit Mitte 2024 läuft mBridge im Status eines Minimum Viable Product (MVP). Die BIS hat sich inzwischen aus dem Projekt zurückgezogen, nachdem Diskussionen um eine mögliche Nutzung durch BRICS-Staaten zur Umgehung westlicher Sanktionen aufgekommen waren.
Schneller, günstiger, unabhängiger von SWIFT
Der zentrale Pitch von mBridge: Zahlungen sollen schneller und günstiger abgewickelt werden als über klassische Korrespondenzbank-Strukturen – ein Vorteil, der besonders für kleinere Unternehmen im internationalen Handel interessant ist. Gleichzeitig reduziert das System die Abhängigkeit von SWIFT, dem traditionellen globalen Zahlungsnetzwerk, das unter US-Einfluss steht.
Genau dieser Punkt macht mBridge geopolitisch brisant. Die Financial Times beschreibt das Projekt mittlerweile als Instrument, das Peking näher an seine „Belt and Road“-Handelspartner heranrückt. China hat im Lauf der Entwicklung die technologische Führungsrolle übernommen, weshalb die Plattform von vielen Beobachtern inzwischen schlicht als „chinesisches“ Projekt wahrgenommen wird.
Die Zahlen: Yuan-Dominanz bleibt hoch
Zum Jahresanfang 2026 veröffentlichte die PBoC Zahlen, wonach über mBridge Transaktionen im Volumen von 387 Milliarden RMB (rund 57 Milliarden US-Dollar) abgewickelt wurden – über 95 Prozent davon in Renminbi. Diese Dominanz erklärt sich auch dadurch, dass andere Teilnehmerstaaten ihre eigenen Wholesale-CBDCs noch nicht offiziell eingeführt hatten. Erst im November 2025 brachten die VAE ihre eigene wCBDC live.
Aktuelleren Quellenangaben der Financial Times zufolge ist das Transaktionsvolumen inzwischen auf rund 470 Milliarden RMB (etwa 69 Milliarden US-Dollar) gestiegen. Zudem sollen in den letzten Wochen zwei weitere Regionen dem System beigetreten sein.
Was das für die Krypto- und Finanzwelt bedeutet
Für Leser, die aus der Bitcoin- und Krypto-Welt kommen, lohnt sich eine klare Einordnung: mBridge ist kein dezentrales Netzwerk und hat mit Bitcoin technologisch wenig gemeinsam – es handelt sich um staatlich kontrolliertes, zentralisiertes Zentralbankgeld auf einer von den beteiligten Notenbanken betriebenen DLT-Infrastruktur. Trotzdem ist die Entwicklung relevant für die gesamte Debatte um die Zukunft des globalen Zahlungsverkehrs: Während Stablecoins und Bitcoin als private, dezentrale Alternativen zum bestehenden System auftreten, positioniert sich mBridge als staatlich kontrollierte Parallelinfrastruktur, die SWIFT und damit indirekt auch den US-Dollar als globale Reservewährung schwächen könnte.
Sollte mBridge tatsächlich in die kommerzielle Phase übergehen und in Hongkong als eigenständige Institution verankert werden, würde dies die Internationalisierung des digitalen Yuan weiter vorantreiben – ein Thema, das auch Schweizer Finanzplatz-Akteure im Auge behalten dürften, gerade angesichts der Rolle der Schweiz im internationalen Handels- und Rohstoffgeschäft.
Fazit
mBridge zeigt exemplarisch, wie Zentralbanken versuchen, mit eigener CBDC-Infrastruktur auf die Herausforderungen durch Krypto-Assets und Stablecoins zu reagieren – nicht durch Verbote, sondern durch den Aufbau eigener, staatlich kontrollierter Alternativen. Die Kommerzialisierung von mBridge dürfte die Debatte um die Zukunft von SWIFT, Dollar-Dominanz und digitale Souveränität weiter anheizen.
Quellen:
- Ledger Insights: „mBridge cross border CBDC payment platform ready to commercialize – report“, 15. Juni 2026
- Financial Times: Bericht zur Kommerzialisierung von mBridge (Originalartikel, Paywall)
- Hong Kong Monetary Authority: Project mBridge – Central Bank Digital Currency (CBDC)



